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Fachkonferenz Terrorismus und Cyberattacken

Rückblick

Krisenkommunikation bei Terrorismus und Cyberattacken

Am Dienstag, 24. Oktober, fand in Luzern die Fachkonferenz zum Thema «Krisenkommunikati-on bei Terrorismus und Cyberattacken» statt. Der gemeinsam von der Lucerne Initiative for Peace and Security LIPS, dem Schweizer Verband für Krisenkommunikation VKK und der Hochschule Luzern durchgeführte Anlass vereinte 120 Leute aus der Praxis für einen Erfah-rungsaustausch.

«Terrorismus und Cyberattacken sind für die Schweiz und Schweizer Unternehmen die prominentesten Sicherheitsherausforderungen», erklärte Patrick Suppiger (VKK) in seinem Begrüssungssstatement. Unter dem Motto «von realistischen Szenarien lernen» erzählten danach Expertinnen und Experten aus der Praxis, wie eine Krise verhindert werden und im Ernstfall professionell kommuniziert werden kann.

Den Anfang machte Christian Ginsig, Mediensprecher der SBB. Für die SBB steht die rasche und transparente Kommunikation im Krisenfall im Vordergrund. Damit das gelingt, sind die Verantwort-lichkeiten klar geregelt und bei einer umfassenden Übung dieses Jahr geprobt worden. Aber auch mit dem Ernstfall kennen sich die SBB aus. 10’000 Medienschaffende griffen auf den SBB-Medienblog zu, als im März in Luzern ein Zug entgleiste und den Bahnhof lahmlegte. Der kurz davor eingeführte Blog und die aktive Informationsvermittlung würden dem neuen Informationsverhalten entsprechen und hätten sich im Einsatz bestens bewährt, fasste Ginsig zusammen.

Prävention versus Kundenfreundlichkeit

Noch keine reelle Krise gab es am OpenAir St. Gallen, resümierte Andy Mestka, Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortlicher der Grossveranstaltung. Social Media Monitoring, Strassenblockaden, Ein-gangskontrollen, Profiling und 1’100 Sicherheitsleute sind die Hauptmassnahmen, um Anschlägen vorzubeugen. Dabei müsse immer abgewogen werden, inwiefern die Massnahmen zielführend, kundenfreundlich und nicht kontraproduktiv seien (z.B. hinsichtlich einer Evakuation). 100% Sicherheit gäbe es sowieso nie, meinte Mestka. Wenn Besucher sich nach dem Festival aber beklagen, am Eingang nicht kontrolliert worden zu sein, dann zeuge das von einem sich ändernden Sicherheitsgefühl. Grosses Potential im Krisenfall sieht er in Festival-Apps. Anhand von vorbereiteten Informationen und Push-Benachrichtigungen können die Besucher direkt informiert werden.

Ursi Ineichen (Stv. Leiterin Kommunikation / Mediensprecherin) und Raphael Krütli (IT-Security Officer) von der Luzerner Kantonalbank legten den Fokus auf Cyberattacken. Vertraulichkeit, Integri-tät und Verfügbarkeit sind die zentralen Schutzziele bei IT-Systemen. Von fähigen Angreifern mit grossen Ressourcen und einem klaren Fokus gehe das grösste Risiko aus. Solch koordinierte Angriffe seien aber relativ selten; auch dank aktiver Prävention. Die Luzerner Kantonalbank setzt dazu auf erprobte Führungssysteme, systematische Analysen (z.B. Monitoring) und eine kohärente Kommunikati-on im Ernstfall.

In drei parallelen Foren wurden die Themen anschliessend vertieft. Dieter Oberli (Raiffeisen Schweiz) erzählte über die Krisenkommunikation bei der grössten Schweizer Genossenschaftsbank. Bernhard Schneider (Schneider Communications AG) näherte sich einer Begriffsdefinition von Terrorismus bevor Karl Walker (Polizei Zug) die Ereignisse und insbesondere die Kommunikation der Zuger Polizei rund um das Attentat auf das Zuger Parlament im September 2001 thematisierte. Im dritten Forum ging Marco Stücheli (Luzerner Kantonsspital) auf die Sicherheit im Spitalumfeld als kritische Infra-struktur ein.

Herausforderungen für die Schweiz

Zurück im Plenum stellte Adolf J. Doerig das Thema Cyberattacken in den sicherheitspolitischen Kon-text. Doerig gehört dem Cyber Defence Beirat an, der das VBS dabei unterstützt, die Interessen der Schweiz im Cyber-Raum zu verteidigen. Gerade im Zeitalter globaler Datenflüsse und ortsungebunde-ner Systeme gelte es, die Schweizer Souveränität zu sichern und externe Einflussnahme zu verhindern. Er sieht aber auch Vorteile in der zunehmenden Digitalisierung: Robotersysteme und Chatbots können im Krisenfall automatisch und sofort erste Massnahmen einleiten und Aktivitäten koordinieren.

In der abschliessenden Podiumsdiskussion zeigte sich, dass sich die Schweiz auf verschiedenen Ebenen für die Herausforderungen rund um Cyberattacken und Terrorismus rüstet. Erich Aschwanden (NZZ) untermauert die Bedeutung eigenständiger und unabhängiger Medien für die Meinungsbildung in der Schweiz. Die Polizei Zug, so Karl Walker, habe ein spezialisiertes IT Forensik-Zentrum aufgebaut, um die Strafverfolgung auch im digitalen Raum zu gewährleisten. Isidor Baumann (Ständerat Kanton Uri) nimmt die Politik in die Pflicht. Digitale Entwicklungen müssen themenspezifisch, z.B. im Wirt-schafts- oder Sicherheitsumfeld, aktiv vorangetrieben werden. Auf eine einvernehmliche digitale Ge-samtstrategie könne die Schweiz nicht warten.

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